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Informationen rund um die spezifische Immuntherapie
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Autor:  admin [ Mi 23. Feb 2011, 13:38 ]
Betreff des Beitrags:  Informationen rund um die spezifische Immuntherapie

Spezifische Immuntherapie:
Die Impfung gegen Allergien

Etwa 20% der österreichischen Bevölkerung leiden unter den Auswirkungen eines fehlgeleiteten Immunsystems – Tendenz stark steigend. Glücklicherweise gibt es heute gute Möglichkeiten, einer Allergie den Kampf anzusagen. Neben der konsequenten Vermeidung und Reduktion von Allergieauslösern sowie Medikamenten die Symptome lindern, ist die spezifische Immuntherapie, Abk. SIT (auch unter den Begriffen „Allergie-Impfung“ oder „Hyposensibilisierung“ bekannt) eine bewährte Option, eine Allergiesymptomatik nachhaltig zu verbessern. Sie setzt als einzige Behandlungsmethode am Immunsystem an und greift unmittelbar in den Krankheitsprozess ein. Damit werden nicht allein die Symptome gelindert, sondern es wird auch die zugrunde liegende Ursache der Allergie bekämpft und ein Fortschreiten der Erkrankung verhindert.

Wirkprinzip: Erhöhung der Toleranzgrenze
Die spezifische Immuntherapie (SIT) ist mit einer Schutzimpfung vergleichbar, weshalb sie auch „Allergie-Impfung“ genannt wird. Die Verabreichung eines hochgradig gereinigten Allergenextraktes über einen längeren Zeitraum führt zum Aufbau eines Schutzes gegen den Allergie-Auslöser. Exakt definierte Mengen des krankmachenden Stoffes (Allergen) werden regelmäßig unter die Haut gespritzt, unter die Zunge getropft oder in Tablettenform eingenommen. Die Dosis wird anfangs behutsam gesteigert, wodurch das Immunsystem sozusagen trainiert und ein Gewöhnungseffekt in Gang gesetzt wird. Es lernt langsam wieder, bei Kontakt mit dem vermeintlichen Erreger nicht mit Abwehr zu reagieren, sondern das Allergen zu tolerieren. Der Körper wird unempfindlich gegen den Auslöser.

Wirkung lang anhaltend
Durch dieses Umlernen ist der Erfolg der Therapie nachhaltig und langfristig. Die Wirkung, also die Reduktion bzw. Verhinderung der Überreaktion des Körpers bei Kontakt mit dem Allergie-Auslöser, hält Jahre nach Ende der Behandlung an. Manchmal kann die Allergie sogar gänzlich ausgeheilt werden.

Bedarf an antiallergischen Medikamenten sinkt
Da sich der Körper immer mehr an die Allergie-Auslöser gewöhnt und die allergischen Beschwerden spürbar nachlassen, geht nach 3 bis 6 Monaten auch der Bedarf an symptomlindernden Medikamenten (z.B. Antihistaminika, Kortisonpräparate) deutlich zurück. Bis sich das Immunsystem umgestellt hat, sollten diese Medikamente aber weiterhin eingenommen werden.

Frühzeitig zum Arzt ...
Je früher mit der Behandlung begonnen wird und je jünger der Patient ist, desto größer sind die Erfolgsaussichten. Daher soll bereits bei ersten Allergie-Anzeichen (grippeähnliche Symptome wie Fließschnupfen bzw. verstopfte Nase und Husten, juckende Augen und / oder Atemnot, die über einen Zeitraum von mehr als 2 Wochen hinausgehen) der Arzt - Facharzt für Dermatologie, HNO, Kinder- oder Lungenheilkunde - bzw. ein Allergie-Ambulatorium oder einer Allergie-Ambulanz kontaktiert werden.

... und ganz wichtig: DRAN BLEIBEN!
Für eine spezifische Immuntherapie braucht man Geduld, denn sie dauert über mehrere Jahre an. Auch wenn eine Besserung der Beschwerden meist schon recht früh spürbar ist gilt: Die Therapie kann nur dann den gewünschten Erfolg bringen, wenn sie konsequent eingehalten wird. Unterstützung für das Durchhalten der mehrjährigen Therapie, wie z.B. Erinnerungsservices, gibt es vonseiten der Firmen für mehrere Präparate.

Formen: Spritzen-, Tropfenkur oder Tablette
Ob Spritze, Tropfen oder Tablette ist abhängig von der Art der Allergie, dem Wunsch des Patienten und den Erfahrungen des behandelnden Arztes. Die Therapie sollte bei geringer Allergenbelastung (also z.B. außerhalb / rechtzeitig vor der Pollensaison oder nach gründlicher Wohnraumsanierung bei einer Hausstaubmilbenallergie) begonnen werden. Bei manchen Patienten ist auch ein Therapiebeginn während der Pollensaison möglich.

1. Subkutane Immuntherapie (= unter die Haut), Abk. SCIT
Die subkutane Form der Immuntherapie ist die bewährteste und wissenschaftlich am besten untersucht. Es gibt jahrzehntelange Erfahrung und sehr gute Behandlungserfolge, weshalb sie von den Ärzten auch am häufigsten empfohlen wird. Sie sollte ausschließlich vom allergologisch versierten Facharzt durchgeführt werden. Es kommen natürliche sowie chemisch modifizierte (Allergoide) Extrakte zum Einsatz, die in reinster Form als wässrige Lösung unter die Haut gespritzt werden.

Die Impfkur läuft in zwei Phasen ab*:

Die Aufbauphase: Das Allergen wird im Wochenrhythmus in langsam steigenden Dosierungen in den Oberarm gespritzt, bis eine Höchstdosis erreicht ist. Dauer: Je nach Präparat und Allergie zwischen 6 und 22 Wochen. Manchmal kann auch ein besonders schneller Schutz wichtig sein (z.B. bei Insektengiftallergie oder kurz vor der Pollensaison). Das ist durch die sog. Kurzzeit-Immuntherapie möglich. Hier werden 4-8 Injektionen innerhalb einer Woche bei Pollen-Allergie bzw. bei Bienen- und Wespengiftallergie innerhalb von 1-3 Tagen (wobei hier ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus erforderlich ist) verabreicht.

Die Fortsetzungsbehandlung mit der Erhaltungsdosis: Die gleich bleibende Menge wird dann je nach Präparat entweder das ganze Jahr über in 1-2monatigen Abständen geimpft oder zeitlich begrenzt über 4-6 Wochen. Diese Phase dauert über 3-5 Jahre an. In dieser Zeit prägt sich das Immunsystem ein, dass es diesen Stoff nicht mehr abzuwehren braucht.

* Ausnahme: Pollinex Quattro Plus. Hier werden pro Jahr 4 Injektionen innerhalb von 3-4 Wochen gegeben.

2. Sublinguale Immuntherapie (= unter die Zunge), Abk. SLIT
Als Alternative zur Spritzenkur wurden orale Applikationsformen entwickelt. Sie ist vor allem für Menschen mit Spritzenangst oder wenig Zeit für die regelmäßigen Injektionstermine praktisch.

In Tropfenform: Bei der Tropfenkur wird der Allergenextrakt einmal täglich unter die Zunge getropft und nach zwei Minuten Einwirkungszeit geschluckt. Diese Behandlungsmethode ist völlig schmerzfrei, nebenwirkungsarm und kann einfach zuhause durchgeführt werden. Der Arztbesuch dient nur der Kontrolle und der Neuverschreibung des Medikamentes. Die Erstverschreibung erfolgt durch den Facharzt, Folgeverschreibungen können auch durch den Allgemeinmediziner erfolgen.

In Tablettenform: Die neueste Entwicklung ist die Immuntherapie in Form einer Tablette für Gräserpollenallergiker. In Österreich stehen dafür zwei Präparate für Kinder ab 5 und Erwachsene zur Verfügung. Die Tabletten bestehen aus einem standardisierten Gräserpollen-Allergenextrakt und wirken ähnlich gut wie die Spritzentherapie. Nach der Einnahme der ersten Tablette unter Aufsicht des Arztes kann sie einmal täglich zuhause, unterwegs oder auf Reisen eingenommen werden. Sie wird unter die Zunge gelegt und die Wirkstoffe werden dann von der Mundschleimhaut aufgenommen. Man kann zwischen zwei Therapieschemata - saisonal oder ganzjährig - wählen: beim prä-/cosaisonalen Therapieschema beginnt man je nach Präparat 4 bzw. 2 Monate vor der Pollensaison und nimmt die Tablette einmal täglich bis zum Ende der Pollensaison ein. Danach folgt eine Einnahmepause bis zum nächsten Jahr. Beim ganzjährigen Therapieschema nimmt man die Tablette einmal täglich das ganze Jahr hindurch. Tabletten gegen andere häufige Allergien (z.B. Birke, Hausstaubmilbe) sind in Entwicklung.

Bei welchen Allergien kann die SIT helfen?
Die Allergie-Impfung kommt bei allergischem Schnupfen und / oder Bindehautentzündung, allergischem Asthma und Insektengiftallergien zum Einsatz. Voraussetzung ist eine nachgewiesene, relevante IgE-vermittelte Sensibilisierung (Diagnose erfolgt beim geschulten Facharzt für Dermatologie, HNO-, Kinder- oder und Lungenheilkunde) gegenüber sog. Soforttyp-Allergien und wenn eine Meidung der Allergie-Auslöser nicht möglich ist oder nicht ausreicht. Die besten Erfahrungen und Studienergebnisse gibt es bei Allergien gegen Baumpollen, Graspollen sowie Bienen- und Wespenstichen. Auch eine Hausstaubmilbenallergie kann erfolgreich behandelt werden. Bei Tierhaarallergien konnte die Wirksamkeit bis dato am besten bei Katzenallergie belegt werden. Bei Schimmelpilzallergien ist die Wirksamkeit bei Alternaria- und Cladosporiumarten nachgewiesen.

Erfolgsaussichten SCIT
Grundsätzlich sind die Aussichten auf Erfolg am größten, wenn die Allergie auf wenige Allergene begrenzt ist – generell sollten maximal zwei dominierende Allergien vorliegen – bzw. die Behandlung in jungen Jahren durchgeführt wird. Am besten ist die Wirksamkeit bei der Spritzenkur und bei den Tablettenpräparaten für Gräserpollenallergiker belegt. Am häufigsten kommt die spezifische Immuntherapie bei Pollen-, Hausstaubmilben- sowie Bienen- und Wespengiftallergie zu Einsatz. Bei einer Allergie gegen Stiche von Bienen oder Wespen kann die Behandlung sogar lebensrettend sein, da sie vor schweren und akut lebensbedrohlichen allergische Reaktionen auf Bienen- und Wespenstiche schützt (Info unter http://www.initiative-insektengift.at)

Erfolgsaussichten der subkutanten Immuntherapie
Insektengiftallergie: 90-95%
Pollenallergie: ca. 80%
Hausstaubmilbenallergie: 60-70%

Erfolgsaussichten SLIT
Die sublinguale Allergengabe hat sich in den letzten Jahren als eine potenzielle Alternative zur Spritzenkur SCIT etabliert. Die World Allergy Organization (WAO) hat das Konzept der sublingualen Immuntherapie bei Patient¬Innen mit moderater bis starker allergischer Rhinitis evaluiert. Sie bestätigte die Wirkung und das gute Sicherheitsprofil*. Die besten Belege gibt es für die Behandlung von allergischer Rhinokonjunktivitis (Symptome an Nase und Augen) – im Speziellen für die Gräserpollenallergie bei den Tablettenprodukten. Bei ganzjährigen Allergenen (z.B. Hausstaubmilben, Tierhaare) gibt es weniger Studien. Gezielte Untersuchungen bei Asthma bronchiale sind vereinzelt durchgeführt worden; eine eindeutige Empfehlung steht hier aber noch aus.

* Sublingual immunotherapy. World Allergy Organization Position Paper 2009. Allergy 2009; 64 (Suppl. 91): 1-59

Schutz vor Asthma & neuen Allergien
Je länger eine Allergie unbehandelt bleibt, desto größer ist das Risiko, dass zur bereits bestehenden noch weitere Allergien dazukommen können. Man kann also auf immer mehr Stoffe allergisch reagieren und die Beschwerden können möglicherweise auch immer stärker werden. Dazu kommt das hohe Risiko an Asthma zu erkranken – etwa 40% aller Allergiker entwickeln Asthma. Eine konsequent durchgeführte spezifische Immuntherapie kann einen chronischen Verlauf verhindern und der Entwicklung von neuen Allergien vorbeugen.

Dauer der Therapie
Die empfohlene Therapiedauer beträgt bei Atemwegsallergien mindestens 3 Jahre, bei Insektengiftallergien 3-5 Jahre. Bienen- und Wespengiftallergiker mit erhöhten Tryptasewerten und / oder Mastozytose werden ein Leben lang behandelt.

Einsatz bei Kindern
Rund ein Viertel aller Kinder in Österreich leiden an einer Allergie. Bereits bei Vorschulkindern kann der Behandlungsbeginn entscheidend für den Krankheitsverlauf sein (bei Insektengiftallergie auch früher). Kinder zeigen eine gute Verträglichkeit und profitieren besonders von der spezifischen Immuntherapie, da die Ausbreitung der Allergie noch beeinflussbar und die Entstehung von Asthma („Etagenwechsel“) leichter verhinderbar ist. Kinder zeigen eine gute Verträglichkeit und die Erfolgsraten sind höher als bei Erwachsenen. Die Allergie-Impfung ist also auch für Kinder eine gute Option, die Entstehung von allergischem Schnupfen und Asthma zu verhindern.

Kosten einer Therapie
Die Therapiekosten für die spezifische Immuntherapie werden zur Gänze von den Krankenkassen übernommen, wenn die Erstverschreibung durch einen Facharzt bzw. durch ein Allergie-Ambulatorium erfolgt. Auch die Weiterverordnung durch den Arzt für Allgemeinmedizin wird von den Krankenkassen bezahlt.

Wann die SIT nicht eingesetzt werden sollte
Schlecht zu kontrollierendes bzw. schweres Asthma gilt als Kontraindikation für eine spezifische Immuntherapie. Bei irreversibler Atemwegsobstruktion (chronische Verengung der Atemwege z.B. COPD), schweren Autoimmunerkrankungen, bösartigen Krebserkrankungen mit aktuellem Krankheitswert und schweren kardiovaskulären Erkrankungen (Ausnahme Insektengiftallergie) ist die spezifische Immuntherapie ebenfalls nicht oder nur bedingt einsetzbar (sprechen Sie mit Ihrem Arzt). Eine Betablocker-Therapie erhöht das Risiko von Nebenwirkungen an den Atemwegen und die Gefahr, dass eine Notfalltherapie mit Adrenalin bei einer schweren allergischen Reaktion weniger wirksam ist*. Bei Schwangerschaft sollte eine SIT nicht eingeleitet werden, die Fortsetzung mit einer deutlich reduzierten Dosis ist allerdings möglich. Von einer sublingualen Gabe sollte bei Erkrankungen an der Mundschleimhaut abgesehen werden.

*Ausnahme: Grazax ist auch für Menschen geeignet, die Beta-Blocker einnehmen müssen

Nebenwirkungen bei der Immuntherapie
Die spezifische Immuntherapie wird von der Weltgesundheitsorganisation WHO als sichere Behandlungsmethode empfohlen.

Subkutane Immuntherapie: Da jene Substanz gespritzt wird, wogegen der Körper allergisch reagiert, können dieselben Reaktionen wie bei Kontakt mit dem Allergie-Auslöser selbst auftreten. Bei richtiger Durchführung sind diese aber selten und beschränken sich überwiegend auf lokale Reaktionen wie juckende Schwellungen an der Einstichstelle. Manchmal fühlen sich die Patienten durch die Belastung des Immunsystems am Tag der Injektion erschöpft. Eine gefährliche Allgemeinreaktion (anaphylaktischer Schock) kommt äußerst selten vor (weit unter 1%). Generell können Nebenwirkungen durch die Einnahme eines Antihistaminikums verhindert bzw. gemildert werden. Ernsthafte Nebenwirkungen treten fast immer in den ersten 30 Minuten nach der Injektion auf. Aus ärztlicher Sicht ist es deshalb notwendig, zur Sicherheit noch eine halbe Stunde in der Ordination zu bleiben. Körperliche Anstrengung, Alkohol, Stress, Histamin-hältiges Essen und Allergenkontakt sollte am Tag der Behandlung vermieden werden.

Sublinguale Immuntherapie: Nach Einnahme der Tropfen kann es zu leichtem Kribbeln bzw. Jucken unter der Zunge kommen. Selten kommt es zu Symptomen wie Fließschnupfen, Asthma oder Hautausschlägen und sehr selten sind schwere systemische Nebenwirkungen (Atemnot, Kreislaufprobleme). Auch bei der neuen Therapie in Form von Tabletten können leichte Nebenwirkungen auftreten, die aber rasch wieder abklingen.

Eine genaue Auflistung der möglichen Nebenwirkungen finden Sie in den Gebrauchsinformationen der Präparate, die sich in den Medikamentenpackungen befinden. Bei Unklarheiten fragen Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker.

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