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 Betreff des Beitrags: Häufige Fragen und Antworten
BeitragVerfasst: Mi 23. Feb 2011, 22:45 
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Registriert: Mo 24. Jan 2011, 15:16
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Fragen zur spezifischen Immuntherapie von Mitgliedern des Expertenbeirates der IGAV beantwortet:


Ist eine spezifische Immuntherapie unbedingt nötig? Reichen während der Pollensaison Medikamente gegen die Symptome nicht auch aus?

Dr. Emminger: Es gibt viele Allergiker, die leichte Symptome über kurze Zeit gut mit Kortison und Antihistaminika kontrollieren können und damit gut durch die Pollensaison kommen. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Wenn Beschwerdeintensität und –dauer aber zunehmen und der Leidensdruck wächst, weil diese symptomatische Therapie nicht mehr ausreicht, ist es an der Zeit an eine Immuntherapie zu denken. Auf jeden Fall aber sobald sich auch erste asthmatische Symptome dazugesellen.


Ich habe eine Gräserpollenallergie. Was empfehlen Sie – die Spritzenkur oder die Tablette?

Dr. Emminger: Wenn sie an einem klassischen Heuschnupfen leiden, liegt die Wahl ganz bei Ihnen. Die klassische subkutane Immuntherapie ist eine bewährte Therapieform mit deutlich mehr Zeitaufwand. Die Injektionen werden anfangs wöchentlich, dann etwa 3 Jahre lang 1x / Monat vom Arzt verabreicht. Zur Immuntherapie in Tablettenform gibt es mittlerweile ausreichende Daten, die zeigen, dass sie zur sofortigen Reduktion der Symptome gut geeignet ist. Langzeitdaten fehlen noch. Die Tabletten werden täglich zuhause eingenommen, monatliche Arztbesuche entfallen. Auch diese Therapie dauert 3 Jahre
Prim. Dr. Waltraud Emminger, Ärztliche Leiterin des Allergie-Ambulatoriums Rennweg
http://www.allergieambulatorium.at



Stimmt es, dass ich durch die Behandlung mit der spezifischen Immuntherapie zusätzlich zur bestehenden eine oder mehrere neue Allergien bekommen kann?

Doz. Ebner: Nein, das stimmt nicht. Im Gegenteil, es ist durch Studien belegt, dass die Immuntherapie den typischen Verlauf einer Allergie - nämlich Verschlechterung von Jahr zu Jahr - entgegenwirkt und so z.B. die Entwicklung von Asthma aus einem allergischen Schnupfen verhindert. Zusätzlich wirkt die Immuntherapie der Entwicklung neuer Allergien entgegen, indem die Atemwege entzündungsfrei gehalten werden. Das bedeutet aber leider nicht, dass es unmöglich ist trotz Immuntherapie neue Allergien zu bekommen. Diese bekommt man aber nicht wegen der Immuntherapie, man hätte sie auch ohne diese Behandlung entwickelt.


Wer kann eine Spritzenkur durchführen?

Doz. Ebner: Die Verordnung und Einleitung der Immuntherapie erfolgt durch Allergie-Ambulatorien, Allergie-Ambulanzen in den Spitälern sowie Fachärzte für Dermatologie, Lungenheilkunde, HNO-Erkrankungen oder Kinderheilkunde. Nach den ersten Injektionen kann der Hausarzt dann die Therapie übernehmen und die Injektionen nach dem vorgegebenen Impfplan verabreichen. Er / sie muss aber Erfahrung mit der subkutanen Immuntherapie mitbringen und in der Lage sein mögliche unerwünschte Nebenwirkungen (in erster Linie allergische Reaktionen) zu behandeln.
Univ.-Doz. Dr. Christof Ebner, Leiter des Allergie Ambulatoriums Reumannplatz in Wien
http://www.allamb.at



Kann eine Spezifische Immuntherapie (SIT), auch Hyposensibilisierung genannt, in jedem Alter begonnen werden?

Prof. Varga: Generell kann die spezifische Immuntherapie laut Weltgesundheitsorganisation WHO ab dem 5. Lebensjahr durchgeführt werden. Bei der lebensbedrohlichen Bienen- und Wespengiftallergie manchmal auch schon früher, denn hier ist die SIT die einzig wirksame Therapieoption. Bei anderen Allergieformen wird meist ab dem 5. Lebensjahr behandelt. Bei schwerer Pollenallergie bei unter 5-jährigen, die eher selten vorkommt, kann unter Umständen mit einer Tropfenkur, die unter die Zunge gegeben wird (sublinguale Immuntherapie) früher behandelt werden.


Worauf muss mein Kind achten, wenn wir uns zur subkutanen Immuntherapie entschlossen haben. Gibt es Einschränkungen am Tag der Allergieimpfung?

Prof. Varga: Wichtig ist nach der Injektion mit dem Allergen, die Beachtung der 30-minütigen Wartezeit in der Arztpraxis. Vor Entlassung wird Ihr Arzt die Injektionsstelle kontrollieren und manchmal auch die Lungenfunktion überprüfen wollen. Danach wird empfohlen, keinen Sport mehr zu betreiben, also kein Fußball, Schwimmen oder Laufen am Tag der SIT. Fieberhafte Infekte oder eine Verschlechterung eines bestehenden Asthma bronchiale machen eine Terminverschiebung notwendig.
Univ.-Prof. Dr. Eva-Maria Varga, Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde Graz, Klinische Abteilung für Pulmonologie und Allergologie


Ich habe eine Pollenallergie gegen Gräser und Birke, will aber keine spezifische Immuntherapie. Eigentlich geht es mir ganz gut damit, denn wenn besonders viele Pollen fliegen, bleibe ich eben zuhause.

Prof. Horak: Je länger eine Allergie unbehandelt bleibt, desto größer ist die Gefahr, dass man auf mehr und mehr Stoffe allergisch reagiert und die Beschwerden größer und belastender werden. Asthma ist eine häufige Folge einer unbehandelten Atemwegsallergie. Die moderne Allergietherapie bietet für jeden Patienten seine maßgeschneiderte Therapie. Die spezifische Immuntherapie ist nur ein Baustein im Gesamtkonzept. Vermutlich kann man Ihnen auch ohne diese Option helfen. Sie sollten jedenfalls dringend einen allergologisch geschulten Facharzt aufsuchen, der mit Ihnen gemeinsam die optimale Behandlung bespricht.


Worin liegt der Unterschied zwischen Antihistaminikum und der spezifischen Immuntherapie?

Prof. Horak: Die Einnahme von Antihistaminika ist eine „symptomatische Behandlung“. Sie lindert die Beschwerden, die bei Allergenkontakt auftreten. Die spezifische Immuntherapie bekämpft zugrunde liegende Ursache der Allergie und verhindert das Fortschreiten der Erkrankung. Sie wirkt als einzige Behandlungsmethode direkt auf den Krankheitsprozess und lernt dem Immunsystem, sich wieder langsam an den Allergieauslöser zu gewöhnen und seine Überempfindlichkeit zu verlieren. Bis sich das Immunsystem umgestellt hat, sollten die symptomlindernden Medikamente aber weiterhin eingenommen werden.
Univ.-Prof. Dr. Friedrich Horak, Leiter des Allergie Zentrums Wien West
http://www.allergiezentrum.at



Kann ich die Immuntherapie in der Schwangerschaft fortsetzen?

Doz. Wöhrl: Die Immuntherapie schadet weder Ihnen noch Ihrem ungeborenen Kind. Wenn Sie die Therapie vor der Schwangerschaft gut vertragen haben, spricht nichts dagegen, die Behandlung fortzusetzen. Sind Sie Insektengiftallergikerin, sollte die Therapie auf keinen Fall abgebrochen werden, da eine Immunreaktion auf Insektenstiche für Sie und ihr Kind gefährlicher ist als die sehr seltenen Nebenwirkungen. Bei einer Atemwegsallergie kann gegebenenfalls die Dosis reduziert werden. Nur wenn die Therapie bei Ihnen schon öfters allergische Reaktionen ausgelöst hat und Sie Medikamente nehmen mussten, die Sie und Ihr ungeborenes Kind nun belasten würden, sollten Sie die Behandlung abbrechen. Aus Sicherheitsgründen sollte während einer Schwangerschaft eine Impfkur nicht begonnen werden (Ausnahme lebensbedrohliche Allergien wie jene gegen Bienen- oder Wespenstiche).


Wie lange kann ich längstens meine Immuntherapie verschieben, wenn ich verreisen möchte?

Doz. Wöhrl: Liegen nicht mehr als 8 Wochen zwischen zwei Impfungen, kann mit der gewohnten Dosis fortgesetzt werden. Sind nach der letzten Injektion mehr als 8 Wochen vergangen, muss die Dosis herabgesetzt und langsam wieder bis zur Erhaltungsdosis gesteigert werden. Dauert die Unterbrechung länger als 16 Wochen, wird die Therapie neu begonnen.
Ass.-Prof. Priv.Doz. Mag. Dr. Stefan Wöhrl, Allergie-Ambulanz an der Univ.-Klinik für Dermatologie, Wien / Floridsdorfer Allergiezentrum, Wien
http://www.faz.at



Was muss ich am Tag der Impfung berücksichtigen?

Dr. Wurzinger: Sie sollten sich schonen und körperliche Anstrengung wie sportliche Betätigungen, lange Autofahrten, anstrengende oder monotone Arbeiten an Maschinen, längere Sonnenbäder, einen Sauna- oder Solariumbesuch, Alkohol, Stress, stark histaminhältige Nahrung und Getränke (z.B. reifen Käse, luftgetrocknete Fleischwaren wie Salami und Rohschinken, Rotwein etc). vermeiden. Eine Liste mit histaminhältigen Speisen und Getränken finden Sie hier. Um bei einer möglichen allergischen Überreaktion (betrifft SCIT) in guten Händen zu sein, wird allgemein empfohlen, noch eine halbe Stunde nach der Injektion in der Ordination zu bleiben.


Kann man eine Pollen- und Hausstaubmilbenallergie gleichzeitig mit der spezifischen Immuntherapie behandeln?

Dr. Wurzinger: Die gleichzeitige Hyposensibilisierung sowohl von saisonalen Allergenen wie z.B. Pollen als auch von perennialen (ganzjährigen) Allergenen wie Hausstaubmilben sollte eine absolute Seltenheit bleiben. Im Allgemeinen sollte jenes Allergen geimpft werden, welches die größeren Beschwerden und Probleme in der Vermeidung bereitet. Bei Hausstaubmilbenallergie steht die Sanierung des Wohnraumes und hier besonders des Bettenbereiches an allererster Stelle. Wenn nach optimaler Sanierung dennoch weiterhin allergische Beschwerden bestehen und diese eindeutig auf die Hausstaubmilben zurückzuführen sind (z.B. durch Provokation mit Hausstaubmilbenallergen nachgewiesen) kann eine Hyposensibilisierung erwogen werden.
Wenn dennoch beide Allergene von existentiell großer Relevanz sind, können sie gesondert in je einen Arm injiziert werden. Die Injektion der Allergenextrakte sollte wegen der immunologischen Belastung an zwei verschiedenen Tagen erfolgen.
Prim. Dr. Gert Wurzinger, Vorstand der Abteilung f. Lungenerkrankungen LKH Hörgas/Enzenbach und der Pulmologischen Tagesklinik LKH-Graz West
http://www.wurzinger.com



Sind komplementärmedizinische Methoden bei Allergien sinnvoll?

Prof. Aberer: Alternativmedizin baut auf die Aktivierung der Selbstheilungskräfte des Körpers. Die Therapeuten müssen Ausbildung, fachliche Kompetenz und Erfahrung mitbringen. Für einige Methoden wie z.B. Akupunktur, Entspannungstechniken, Atem- und Physiotherapie konnte die Wirksamkeit bei Atemwegserkrankungen nachgewiesen werden. Viele Menschen machen gute Erfahrungen und auch Schulmediziner empfehlen sie ergänzend zu klassischen Therapien. Unterstützend können komplementäre Behandlungsmethoden die Befindlichkeit und Lebensqualität von Allergikern also durchaus verbessern. Von einer alleinigen Anwendung alternativer Methoden ist aber abzuraten. Besonders problematisch wird es, wenn akut lebensbedrohliche Zustandsbilder wie z.B. allergischer Schock nach Bienenstich mit Homöopathika behandelt werden. Oder wenn bei chronisch entzündlichen Erkrankungen wie dem Asthma bronchiale die vermeintlich schädlichen Cortison-sprays abgesetzt und durch alternativ-medizinische Methoden ersetzt werden: Dauerschäden werden die logische Folge sein.
Den Grundstein der Behandlung sollte daher ein allergologisch versierter Arzt legen. Nur so können nicht mehr umkehrbare allergisch bedingte Folgeschäden verhindert werden.

Einen Überblick über alternative Heilmethoden, die für die Behandlung allergischer Erkrankungen angeboten werden, finden Sie im IGAV-Ratgeber „Allergie-Wegweiser“.
Prim. Univ.-Prof. Dr. Werner Aberer, Leiter der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie, Graz


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